Nur eine Theorie
Die Evolution ist auch eine Theorie. Und genau dieser Umstand wird ihr von religiöser und kreationistischer Seite oft zum Vorwurf gemacht. Die biblische Schöpfung ist nämlich keine Theorie! Und deshalb ist sie aus Sicht der Kreationisten näher an der Wahrheit, als so eine „Theorie“. Hier soll es gar nicht weiter um Kreationismus selbst gehen, das ist ein ganz eigenes Themenfeld, das hier sicherlich noch genug behandelt werden wird. Hier soll es um den oft missverständlichen Begriff der Theorie gehen. Eine Theorie ist im umgangssprachlichen Verständnis die Vorstufe einer Erkenntnis. „Ich habe eine Theorie, jetzt muss ich die nur noch beweisen“. Wikipedia jedoch sagt einfach: „Eine Theorie ist ein System von Aussagen, das dazu dient, Ausschnitte der Realität zu beschreiben beziehungsweise zu erklären und Prognosen über die Zukunft zu erstellen.“ [caption id="attachment_112" align="alignleft" width="300"]
Die Periheldrehung der Bahn eines Planeten. Die Exzentrizität der Bahn und der Betrag der Drehung sind gegenüber der realen Periheldrehung des Merkur schematisch übertrieben.„Perihelion precession“ von Original uploader was Markus Schmaus at en.wikipedia - Transferred from en.wikipedia. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.[/caption] Dabei ist absolut wichtig, zu verstehen, dass es keine „nächste Stufe“ über der Theorie gibt, die Theorie ist eben keine Vorstufe, sondern das Endprodukt wissenschaftlicher Forschung. Die Theorie beansprucht dabei nie für sich, und das ist so schwer zu akzeptieren, die Wahrheit zu sein, sondern eben nur der bislang beste Erklärungsversuch. Dass das gut so ist, sieht man am besten bei einem Blick ins Geschichtsbuch. Als Sir Isaac Newton seine Theorie der Gravitation veröffentlichte und die Formeln das Leben absolut präzise darstellten, hätte man behaupten können, das ist die Wahrheit. Später stellte sich jedoch heraus, dass Newtons Theorie nicht jedes beobachtbares Phänomen erklären konnte. Über lange Zeiträume beobachtet weichen die Bewegungen vieler Himmelskörper in gering von den Vorhersagen der Newtonschen Gravitationstheorie ab. So zeigt beispielsweise die Merkurbahn eine winzige Verschiebung des sonnennächsten Bahnpunktes, den die Newtonsche Gravitationstheorie nicht erklären kann. Diese so genannte „anomale Periheldrehung“ beträgt nur 43 Bogensekunden im Jahrhundert. Erst Einstein ist mit seiner Gravitationstheorie, der Allgemeinen Relativitätstheorie, eine überzeugende Erklärung dieses Effekts gelungen. Damit ist die Newtonsche Theorie immer noch eine Theorie und auch eine, die im Alltag absolut tauglich ist. Aber Sie konnte eben in Teilen falsifiziert werden. [caption id="attachment_111" align="alignright" width="300"]
„EpizykelBahn“ von Benutzer:Marc Layer - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.[/caption]
Anderen Theorien ergeht es nicht so gut. Das ptolemäische, geozentrische Weltbild beispielsweise, wurde von Tycho Brahe erst verbessert, damit bereits falsifiziert aber grundsätzlich anerkannt gelassen und ist schließlich durch das kopernikanische, heliozentrische Weltbild komplett falsifiziert worden. Dabei ist so ziemlich jeder Aspekt als falsch erkannt worden, Ptolemäus wurde von Kopernikus nicht „verbessert“ wie Newton von Einstein, sondern komplett zerstört.