Fracking – oder warum wir der Natur den Krieg erklären

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Über das Fracking, bzw. korrekt Hydraulic Fracturing, ist in Deutschland eine hitzige Diskussion ausgebrochen, auf der sich Befürworter und Gegener der Technik unversöhnlich gegenüberstehen. Hier soll kurz versucht werden, die Vor- und die Nachteile dieser Technologie aufzuzeigen und gegenüberzustellen.

Zunächst einmal grundsätzliches: Fracking ist eine bereits seit 70 Jahren bekannte Technik der Erdgasförderung aus tiefen Schiefergesteinsschichten. Sie ist gemessen am Ertrag an Gas sehr aufwändig und hat daher im 20. Jahrhundert keine Rolle gespielt. Nun, da sich die Reserven an konverntionell zu förderndem Erdgas zumindest in den USA und Europa zum Ende neigen, kommt dieser Ansatz wieder ins Gespräch. die gestiegenen Gaspreise erst machen diese Art der Förderung wirschaftlich.

Fracking

HydroFrac de von Mikenorton(Translation: Maxxl2 ) – File:HydroFrac2.svg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Was genau passiert bei Fracking? Vor dem eigentlichen Fracking wird zunächst konventionell bis zu fünf Kilometer in die Tiefe gebohrt und im Anschluss horizontal in die gasführende Gesteinsschicht. Anschließend wird in die horizontale Bohrung mit Hilfe von Hochleistungspumpen mit einem enormen Druck von bis zu 1000 bar ein Gemisch aus Wasser, Quarzsand oder Keramikkügelchen und diversen Chemikalien gepresst. Der Flüssigkeitsdruck sorgt dafür, dass das Gestein aufgesprengt und damit gasdurchlässig wird. Festkörper und Chemikalien halten die entstandenen Risse offen.

Anschließend wird das Gemisch aus Methan und Chemiekalien nach oben gepumpt und das Gas extrahiert. Das so freigesetzte Methan kann abgepumpt und als Energieträger verwendet werden. Ohne diese Technik stünde das Gas nicht zur Verfügung. Für den extem giftigen Chemieschlamm gibt es derzeit keine alternative Verwendung und keine Möglichkeit der Aufbereitung.
Welche Chemikalien genau in einem solchen Cocktail verwendet werden, ist Betriebsgeheimnis der Förderunternehmen und unterliegt keiner öffentlichen Kontrolle. Bei in Deutschland erstellen Gutachten zu diesem Thema, die sich ausschließlich auf freiwillig zur Verfügung gestellten Datenblättern der Föderunternehmen berufen konnten, wurden von den 80 offiziell verwendeten Chemikalien 6 Zubereitungen als hochgiftig, 6 als umweltgefährlich, 25 als gesundheitsschädlich, 14 als reizend sowie weitere 12 als ätzend eingestuft. Lediglich 17 Zusätze der Liste wurden als unbedenklich eingestuft. Trinken möchte man einen solchen Cocktail sicherlich nicht.

Beteuerungen der Unternehmen, dass es sich um eine risikolose Technologie handelt, können angesichts dieser Kennzahlen als wertlos angesehen werden und sollten in einem objektiven Diskurs keine Beachtung finden.

Worin bestehen nun eigentlich die Risiken für Umwelt und Gesundheit? Nun, zunächst verbleibt ein Teil des Chemikaliencocktails in der Gesteinsschicht, die aufgrund des Prozesses selbst nicht mehr „dicht“ ist. Die Chemikalien können also in alle Richtungen „strömen“ und so auch in Grundwasserschichten gelangen. In den USA, wo, weitgehend frei von irgendwelchen Umweltauflagen, exzessiv gefrackt wird, sind bereits ganze Landstriche verseucht und für Generationen unbewohnbar.

Fracking Mud Pitt

Mud Pitt von Joshua DoubekEigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.

Gleiches gilt auch für die zurückgeförderten Fluide (pro Bohrung sind das immerhin zwischen 8 und 15 Millionen Liter) die in der Regel in noch tieferen Erdschichten verpresst werden. Was dort geschieht ist weitgehend nicht bekannt, Langzeitstudien liegen nicht vor.

Bleibt das Argument der positiven CO2 Bilanz und der Unabhängigkeit von russischem Gas.
Thema Unabhängigkeit. Zunächst muss man sich verdeutlichen, dass die Schiefergasvorkommen in Deutschland nur einen verschwindend geringen Anteil am Gesamtbedarf decken können. In einigen Gutachten ist die Rede von 0,3% bis 0,9% des Gesamtbedarfs in Deutschland. Unabhängigkeit lässt sich so nicht gewinnen, ausschließlich die Förderunternehmen profitieren davon. Volkswirtschaftlich ist das Verfahren irrelevant.

Bleibt die Mär von der positiven CO2 Bilanz. Richtig ist, dass Erdgas gemessen am Energiegehalt weniger Treibhausgase produziert als Kohle, aber Methan selbst ist ein starkes Treibhausgas. 20 mal stärker als CO2. Bei Föderverlusten von nur 4% bedeutet das allein aquivalent umgerechnet eine zusätzliche Belastung von 80% CO2. Je nach Verfahren können bis zu 8% verloren gehen (also in die Atmosphäre entweichen). Dazu kommt, dass das Verfahren selbst sehr energieaufwändig ist. Das geht soweit, dass in einigen Probebohrungen in Norddeutschland mehr Energie investiert werden musste, als hinterher tatsächlicher an Erdgasertrag zustande kam. Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass selbst verschlossene Bohröcher weiterhin kontinuierlich Methan freisetzen.
Alles in allem ist der CO2-Fußabdruck von Schiefergas sogar wesentlich schlechter ist als der von Kohle: mehr als doppelt so groß in einem Betrachtungszeitraum von 20 Jahren. (http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10357-011-2191-y kostenpflichtig)

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